Meine erste Langdistanz

Die Ruhe vor dem Sturm IMG_1045
Der Langener Waldsee einen Tag vorm Start – Mein Bolide!

Ironman – der längste Tag des Jahres 2013

Der längste Tag des Jahres, wie wahr, wie wahr – aber, daß es auch der schönste Tag des Jahres wird, hätte ich im Vorfeld nicht gedacht.

Es ist einfach unglaublich. Noch 2 Tage vor dem Wettkampf hatte ich den Eindruck, das kann überhaupt nicht funktionieren. Ich kann doch nicht wirklich glauben, bei diesem harten Rennen an den Start gehen zu wollen, geschweige denn auch noch im Ziel anzukommen???

Klar hatte ich mich genau deshalb dafür angemeldet. Doch die Zweifel waren groß, sehr groß. Insbesondere da ich ab Mai nicht mehr gescheit laufen konnte. Am linken Fuß hatte ich mir die Außenbänder entzündet, so daß ich seither einen geschwollenen Knöchel hatte. An längere Läufe war also im Mai und Juni überhaupt nicht mehr zu denken.

Die Aufregung und auch die Zweifel waren jedoch verschwunden in dem Moment, als ich mein  Rad eingecheckt hatte. Mit diesem Meilenstein lag alles glasklar auf der Hand. Ab hier war der heutige und auch der Wettkampftag ganz genau zeitlich eingegrenzt. Genau genommen war für den Wettkampftag das Zeitfenster zwischen 7 und 22 Uhr geblockt für die Strecke von 3,8 – 180 – 42,195 km schwimmend, radelnd und laufend zu absolvieren. Wenn ich vor 22 Uhr im Ziel ankäme, wäre es ein Gewinn. Ob ich später ankommen könnte? Nee, das hab ich irgendwie ausgeblendet, hatte ja nur dieses Zeitfenster dafür vorgesehen.

Schließlich startete der Wettkampftag um 4 Uhr und da wollte ich auch bei Zeiten wieder im Bett liegen.

Nun versuche ich mich mal auf das Wesentliche dieses längsten Tages zu begrenzen, schließlich will ich meine Leser nicht langweilen.

Die Zeit vor dem Start war sehr schnell vergangen. Eigentlich dachte ich, es könne eventuell so etwas wie Langeweile vor dem Start aufkommen, aber weit gefehlt. Es ging alles flüssig voran und so stand ich auf einmal mit all den anderen Athleten unten im Langener Waldsee. Schade bloß, daß an diesem Tag der See pechschwarz war, die rund 5.000 Füße haben den See ganz schön aufgemischt.

Der Moment kurz vor dem Startschuss war für mich der allergrößte. Da ging nämlich die Sonne auf und so kamen die ersten Sonnenstrahlen genau über die Kuppe und haben uns Athleten im Wasser angestrahlt. Herrlich!
Haifisch
Der Startschuss fiel und ich schwamm einfach los, in der Meute. Es gelang mir wahrhaftig, mich aus dem Getümmel rauszuhalten, das habe ich gut hingekriegt und so konnte ich die gesamte Strecke fast problemlos schwimmen. Fast bezieht sich darauf, daß mir kurz vor dem Landgang ein „Brustschwimmer“ die Brille von der Nase getreten hatte. Aber das Timing war perfekt, raus aus dem Wasser, Brille korrigiert und ab auf die 2. Runde.

Meine Schwimmzeit war mit 1:13 absolut in meiner Vorstellung und so ging ich beschwingt und bejubelt von all meinen Freunden auf die Radstrecke.

Das Radfahrwetter hätte nicht besser sein können und ich habe mich mehrfach bei dem Gedanken erwischt, wie toll es ist, die gesamte Strecke angstfrei vor ungeduldigen Autofahrern fahren zu können. Direkt nach dem Wechsel hatte ich zwar enorme Probleme, meine Herzfrequenz auf den geplanten Bereich runterzubringen, aber knapp vor dem ersten Berg in Bergen-Enkheim war ich guter Dinge, daß es ausreicht. Ja und es lief prima. Etwas langweilig fand ich zwar die Vorstellung alles zum zweiten mal zu fahren, als ich an dem Abbiegepunkt war, aber als ich dann auf der 2. Runde war, war ich wieder drin. Und es lief mit jedem Kilometer besser.

Als ich dann das zweite mal nach Frankfurt reinfuhr mit dem Gedanken, jetzt gleich mein Rad abgeben zu können und zum Laufen zu wechseln, da fühlte ich mich total beschwingt. Dann brüllte mich sogar noch jemand mit alt bekannter Stimme an, meine Schwester hatte es doch tatsächlich geschafft, sich aus der Meute herauszuheben, so daß ich ihre Stimme und ihr freudiges Gesicht sehen konnte. Ja, das gab mir nochmals einen Adrenalinschub.

Genauso gings dann durch die Wechselzone. Zugegeben, die ersten Meter mit den bequemen Laufschuhen waren etwas schmerzhaft. Merkte ich doch, daß die Füße in den Radschuhen sich letztlich über 6:37 h nicht so richtig wohlgefühlt hatten, aber jetzt würden sie ja die nächsten Stunden Gelegenheit haben, sich in den Laufschuhen „auszudehnen“.

Auch diese Disziplin war prima an diesem Tag. Durchaus meine schlechteste Disziplin, aber als ich auf der Strecke war, wußte ich: Du packst das.  Und nach der 1. Runde war mein Spruch dann: Heute ist mein Tag!

Ja und genauso lief es dann für mich auch weiter. Ab der 2. Runde wurde ich zwar langsamer aber ich bin bis zum Schluß gelaufen, zwar mit einem kleinen Stop, weil ich ganz viele Blasen an den Füßen hatte, aber ich lief und lief. Es war enorm, wie das Publikum mich über die Strecke getragen hatte. Ich bin eigentlich kein Bejubel-typ und mag es lieber, allein in meine Gedanken zu versinken. An diesem Tag war alles anders. Ich freute mich an jeder Ecke meine Freunde zu sehen. Alle haben mich angestrahlt, weil sie genau wie ich wußten, daß ich es packe! und all die Zweifel und Ängste waren verflogen. Ich glaube wir haben uns alle gegenseitig angesteckt mit der Euphorie!

Als ich dann zum letzten mal über die Mainbrücke lief, hatte ich sogar noch den Ehrgeiz, meine Verkleidung abzulegen, damit ich möglichst schöne Finisherfotos bekomme. So zog ich mein Sonnenschutz-Shirt und meine Sonnenbrille aus. Eine Aktion, die nach der absolvierten Strecke nicht mehr ganz so geschmeidig abläuft und noch dazu wollte ich weiterlaufen, stehenbleiben war ja schließlich schon die ganze Zeit keine Option gewesen.

Endlich, ich durfte rechts zum Römer abbiegen. Was für ein Gefühl!!! Ich hatte es geschafft, jetzt über den roten Teppich bis hoch zum Ziel, „yes I am a Ironman, gleich!“

Auf diesem Weg hab ich nichts mehr wirklich wahrgenommen. Ich war einfach überwältigt von diesen Eindrücken, fast kam es mir vor, als hätten sich alle Eindrücke des Tages gebündelt auf diesen letzten Metern. So habe ich niemanden mehr wirklich erkannt, vermutlich auch, weil sich meine Sonnenbrille nebst optischen Gläsern ja zwecks fotogener Darbietung auf meiner Kappe befand.

Es war herrlich! Ich bin ein Ironman!

Leider hatte ich einen ungünstigen Moment erwischt und so hat mir niemand diesen salbungsvollen Satz im Zielbereich gesagt, „You are an Ironman“ aber ich weiß es nun auch selbst:

I am Iron-Gine!

IM Finisherpix
Quelle:
 Finisherpix.com

Im Ziel ganz happy mit meiner Trainerin xbille www.xbille.de

Im Ziel mit Bille
Danke Dir Bille, ohne Dich wäre ich nicht so gut gelaunt im Ziel angekommen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *