Zweite Mitteldistanz – 2010

Verdreckte Radschuhe OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Ja was für ein Wettkampf!

Ganz ehrlich, hätte ich gewußt, wiewenig Grad dieses Wasser im Walchsee hat, ich wäre nicht gestartet. Einige meiner Mitstreiter hatten ja den See vorher angetestet. Was ein Glück hatte ich so große Probleme mit dem Lager meines Vorderrades, daß ich überhaupt keine Zeit hatte, ein Testschwimmen am Samstag zu machen.

Der Walchsee empfing mich leider nicht sehr freundlich, und so regnete es eigentlich fast durchgehend an diesem Samstag. Als ich dann vorm Einchecken nochmal eine kleine Runde mit dem Rad drehte, fiel mir auf, daß etwas am Vorderrad nicht in Ordnung war. Nein nein, nicht denken! Wie immer habe ich zuvor mein Rad durchchecken lassen. Obwohl ich ein Fiepen reklamierte, beschwichtigte mich mein Mechaniker und meinte, es sei alles in Ordnung.

Die Zweifel blieben und kurz bevor ich in die Wechselzone rein wollte, testete ich den Durchlauf des Vorderrades, doch leider lief da nichts mehr. Das Rad stand, press, keine Umdrehung. Gut, es gibt ja freundliche junge Männer beim Bikeservice. Die waren auch total freundlich und hilfsbereit, so daß es am Ende nur die Möglichkeit gab, mir ein Ersatz-Laufrad für den Wettkampf zu geben, denn auf die Schnelle konnte kein passendes Lager aufgetrieben werden. Krrr, ich hatte echt Blutdruck und auch zeitweise Angst, ich könne gar nicht starten.

Als ich dann Sonntag früh den ersten Fuß in den See setzte, fragte ich mich, warum ich mir das antue. Schlagartig hatte ich das Gefühl, meine Füße seien schockgefroren, so kalt war das Wasser! Aber andererseits, was will man mit einem so begonnenen Tag sonst anfangen? Klar frühstücken, aber dann? Ich kenne mich, ich wäre den ganzen Tag brummelig mit mir. Also wartete ich auf den Startschuss.

Hey und ich kann Euch sagen, allen, die nicht mit dabei waren: Es war so arschkalt. Ein so kaltes Wasser habe ich nur in meiner Zeit beim Wildwasserfahren erlebt und da sitzt man ja bekanntlich im geradezu kuscheligen Kajak. Auf der Schwimmstrecke hatte ich dann spätestens an der ersten Wendeboje das Gefühl, langsam aber sicher ein gefrorenes Fischstäbchen zu werden. Die Bewegungen wurden steifer, die Waden wollten sich verkrampfen und ich flehte mir den Schwimmausstieg herbei.

Als ich die erste goldene Badekappe überholte, dachte ich schon, ich wär inzwischen die einzig Überlebende in diesem Eissee. Aber in der Tat, war es einer der Eliteathleten, der offensichtlich noch weniger als ich mit den Temperaturen klar kam.

Endlich durfte ich aus der eiskalten Pfütze raus und die Bilder die der Fotograf von mir gemacht hat, sprechen Bände: Das Ungeheuer vom Walchsee! (das Bild kann ich definitiv nicht in den Blog stellen)

Der Wechsel zum Rad war auch kein Spaß, denn ich war so eingefroren, daß ich mich kaum umziehen konnte. Im Wechselzelt war so ein Gewusel, daß ich sogar vergessen hatte, meine Armlinge überzuziehen. Ein fataler Fehler. Ohnehin hatte ich keine gute Kleidung für diese Wetterbedingungen dabei, ich hatte das ganze unterschätzt. Auf den beiden folgenden Radrunden kam ich auch nur schwer in Tritt, und auf der ersten Runde war ich definitiv noch nicht auf Normaltemperatur, ich glaub meine Zähne haben öfter vor Kälte geklappert. Da ich auch in 2010 immer noch keine Bergziege bin, musste ich mir eingestehen, daß ein Wettkampf mit 900 Höhenmetern (oder so) kein Spaß sind. Ich hab gelitten!

Als ich dann endlich zum Wechsel zum Laufen wieder in Walchsee ankam, war inzwischen auch die Sonne draußen und wärmte uns alle, zumindest versuchte sie es. Nach rund 1 km Lauf hielt ich an, weil ich mir sicher war, ein Stöckchen in meinem Schuh zu haben. Ich zog Schuh und Socke aus, aber nichts… kein Stöckchen. Es war einzig die eingefroren Fußsohle, die solche Empfindungen verursachte. Aua, jetzt tats noch mehr weh!

Also lief ich weiter und versuchte mir einzureden, beide Füße sind wohlig warm. Am Walchsee sind 4 Runden um den See zu absolvieren. Das läßt sich eigentlich kopfgerecht ganz gut in 4 gleiche Teile packen :-). Ich musste mir aber eingestehen, ich war „alle“ nach der Radstrecke. So schleppte ich mich echt über die 4 Runden, dachte zwar an Aufgeben, aber schließlich ist das nach der Distanz dann doch nicht so einfach, solange man noch gehen kann, und das klappte ja immer. Wobei ich mich immer zum laufen prügeln konnte, da der Wechsel zwischen gehen und laufen noch qualvoller ist.

So schaffte ich es, noch unter 7 Stunden ins Ziel zu kommen. Natürlich war ich eine von den Letzten, aber andererseits weiß ich im nachhinein, viele haben aufgegeben, weil die Kälte einfach zu groß war. Insofern war ich mit meiner Leistung wieder einmal zufrieden, habe einiges bei diesem Wettkampf gelernt:

Vertraue nie Deinem Mechaniker, wenn Du selbst den Eindruck hast, das Rad ist nicht 100%

Sei immer gerüstet auf alle Wetterlagen

Das Rennen wird im Kopf entschieden!

 

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