Archiv für den Monat: September 2009

Meine erste Mitteldistanz – 2009

6. September 2009

Lange hatte ich drüber nachgedacht, welchen Wettkampf ich mir denn als erste Mitteldistanz aussuchen würde. Da meine Stärke beim radfahren eher auf der Fläche oder bergab liegt (bin eben keine Bergziege), wollte ich unbedingt eine flache Radstrecke. Da war Köln ja eigentlich ganz naheliegend.

Das ganze Jahr habe ich daraufhingearbeitet, oder vielleicht sollte ich eher sagen, dem Datum entgegen gehofft und doch nicht so recht dafür trainiert. Irgendwie überkam mich vor 5-6 Wochen die Schuld, daß ich nicht genug dafür getan habe. Genau genommen habe ich außer Rad fahren so gut wie nichts gemacht. Ich war insgesamt 4 x im See zum open-water schwimmen. Ja gut, es könnten auch 5 x gewesen sein. Aber lange Distanzen hatte ich wirklich nicht gemacht. Aber ich habe mich davon dann doch nicht entmutigen lassen, mein Vorhaben durchzuziehen.

An der Startlinie…
schaute ich mich um, wollte mich eigentlich weit hinten positionieren, aber sooo weit hinten dann doch nicht, es waren noch viele hinter mir. Nach dem der Startschuss fiel, gab es ein wenig Gekeile, aber es hielt sich im Rahmen. Ich vertraute auf meine Stärke, die sollte mich auch wirklich nicht im Stich lassen. So nach 500 m fingen die ersten an, von ihrem Kraulstil in Brust zu verfallen. Das war mein Wetter. Ich spürte meine Stärke! Dann hatte ich es auch endlich geschafft, an die Leine unten im Wasser ranzuschwimmen, an der sind die Bojen aufgereiht, damit sie im gleichen Abstand an der Oberfläche zu sehen sind. Es ist ja die Regattabahn, die das ganze Jahr so bleibt. Das war dann ganz großartig. Ich konnte mich super orientieren und fand ganz cool in meinen Rhythmus. Ich spürte schnell, es läuft. Langsam näherte ich mich auch von hinten an inzwischen langsamere Schwimmer. Als ich den ersten ganz langsam aber stetig überholt hatte, bekam ich noch mehr Oberwasser. Es war einfach herrlich zu sehen, wie man an Stabilität gewinnt und seine Kräfte optimal einteilt. Ich hatte nie das Gefühl über meine Kräfte zu arbeiten. Ab und an habe ich in den Himmel geschaut, in dem Glauben, mein Papa könne mich von dort sehen, er wäre stolz auf mich gewesen. Haltet mich für verrückt, aber als die Sonne kurz hinter den Wolken hervorkam, empfand ich es als Zeichen von meinem Papa.

Die Wendeboje hab ich sauber gekriegt, zwar mit genügend Abstand, es war mir aber lieber als Keilerei. Die 2. Hälfte zog sich etwas, zumal ich nicht mehr die Leine unter Wasser sehen konnte. Einige schwammen dann auf mich zu und keilten mich förmlich ein. Bei ca. 2 km schlug plötzlich ein kleiner Krampf in meine linke Wade ein. Wow, das war auch ein Zeichen. Von da ab wusste ich, daß es kalt ist und versuchte, den Beinschlag dezenter zu machen. Meine Kraft verließ mich nicht, allerdings zog sich das Stück ohne Leine etwas. Dann wollte ich nur ohne Krampf aus dem Wasser, das war mein Ziel. Ich konnte den Ausstieg schon vor mir sehen. Konnte die Helfer erkennen, die den Schwimmern aus dem Wasser halfen. Das war auch gut so. Trotz meiner Silikonstöpsel in den Ohren war mir leicht schwummerig und beim Ausstieg wollten nun Krämpfe in beiden Waden sich breitmachen. Witzigerweise war das nach 5 Metern Landgang vergessen und ich lief in die Wechselzone. Das Gequäle aus dem Neo muß ich allerdings fürs nächste mal üben. Noch dazu musste ich die Uhr und den Chip am Fuß ausziehen, alles wertvolle Zeit.

Aber gut, der Wechsel zum Rad lief perfekt. Alles sitzt und wackelt nicht. Frau Spreuer auf dem Radl. Die erste Verpflegungsstelle kam so rasch und ich war noch gar nicht vorbereitet, griff dann in letzter Sekunde noch einen Gelbeutel und meinte auch, es sei gut ihn zu futtern. Dann fuhr ich weiter. Versuchte meinen hohen Puls zu beruhigen, was mir auch gut gelang. Margret hatte mich im Vorfeld nach meiner Strategie gefragt. Ich habe keine, hatte ich geantwortet. Genau so war es auch. Ich werde einfach auf mein Gefühl hören. Das tat ich. Inzwischen bin ich in diesem Jahr so viele km gefahren, so lange Strecken gefahren, daß ich meine Grenzen kenne, auch wenn ich immer mit Puls fahre und den Puls im Blick habe, kann ich mich sehr gut einschätzen.

Nun fuhr ich. Fand meinen Rhythmus. Schaute kaum auf die Kilometer. Meinen Tacho hab ich fast völlig aus den Augen verloren. Ich fuhr einfach nach Gefühl. Wir hatten recht viel Wind, aber nicht so brüllermäßig. Es lief einfach. Allerdings dachte ich nach ca 30 Min., ich könne mal wieder ein Gel essen. Das sollte mir nicht so gut bekommen. So merkte ich rasch, daß mein Darm damit überlastet ist. Von da ab hatte ich nur noch wenig von meinem mitgebrachten Fruchtriegel gegessen. Auf der ganzen Strecke habe ich noch nicht einmal die Hälfte geschafft.
Erst zum Schluß schaute ich mal zart auf meine Durchschnittsgeschwindigkeit. Die lag bei erstaunlichen 30,… km/h. Enorm, ich war völlig erstaunt. Vielleicht hätte ich diesen Schnitt sogar noch getoppt, wenn ich nicht geschaut hätte. Übrigens ging es 5 x über die Deutzer Brücke und irgendwie biß die ganz schön. Wenn man sonst immer auf dem Triaaufsatz liegt und dann auf einmal über diese Brücke muß, ist das „hoch“ (jaja, lach nicht).

Der Wechsel zum Laufen stand an. Fahrrad wurde mir abgenommen, Beutel gereicht. Mit meinen Klickies lief ich bis vorn zum Zelt zum Umziehen. Hieß ja bei mir nur: Helm aus, Radschuhe aus und Laufschuhe an. Cappy auf. Und ab, zuerst hatten die da Treppen hingelegt, das war komisch. Aber schwubb war ich auf der Laufstrecke. Die ersten 1-2 km lief ich einfach so. Viele Menschen, kreuz und quer. Es waren ja die Volldistanzler schon auf der Strecke. Der Weg ging am Rhein entlang aber mit Gegenverkehr, dadurch mit vielen Abweisern und komischer Streckenführung. Irgendwann fing ich an, darüber nachzudenken, ob ich es schaffe. Aber dann dachte ich, laufen, einfach laufen. Ich tröstete mich, daß ich notfalls die Strecke gehen würde. Dann sagte ich mir, daß ich brutal stolz auf mich bin, denn die 2,5 km schwimmen waren ja auch schon super gut und kein Pappenstiel und so einfach gibt man dann nicht auf. Das war klasse. Die erste Hälfte lief so. Kleine Anflüge von: „Es läuft doch“ waren dabei, aber zaghaft. Dann hatte ich die Wende erreicht. Allerdings dieses Schnippelchen zum Schluß, quasi am Ziel vorbei, hätten sie sich sparen können. Schlechter Weg!

Die 2. Hälfte lief optimal. Ich fand immer wieder in meinen Tritt und meine mentale Stärke war enorm. Plötzlich kam ein Schritt einfach nach dem nächsten. Ich sagte mir, daß ich zum Laufen da bin und nicht zum Gehen. Das half. Das half enorm! So lief ich, mit jedem Schritt näherte ich mich dem Ziel ein Stück mehr. Und genauso gings. Auf einmal hatte ich einen Flow, es war unglaublich. Plötzlich machten mir die andern mit ihrem komischen Rhythmus auch nix mehr aus, ich hatte ja meinen Flow gefunden. So lief ich dann. Bis zur nächsten Verpflegung. An jeder Verpflegung gönnte ich mir eine kleine Gehpause, eine Coke und ein paar Salzbrezeln. So fand ich immer eine gute Grundlage und danach immer wieder in meinen Super-Rhythmus.
Hat es so was mal gegeben???

Es gab keinen Einbruch bei diesem Wettkampf, weder mental noch körperlich. Ich lief und zum Schluß zog ich sogar noch an einer Blondine vorbei und einen Endspurt an.

6:15 bin ich insgesamt unterwegs gewesen und das beste ist: Ich bin nicht zusammengebrochen. Leider konnte ich zwar das reichhaltige Buffet nicht nutzen, setzte mich dann mal auf einen Liegestuhl und gönnte mir erst nach einigen Minuten eine kleine Gulaschsuppe, aber was wollte ich denn auch mehr??? Nach einer ausgiebigen Verweildauer ganz allein mit mir (in Gedanken) packte ich meine Sachen zusammen, sammelte die Säcke ein, holte mein Rad ab und fuhr zu Stephan.

Resümé:
Es ist einfach herrlich zu wissen, daß ich es geschafft habe, ohne Blessuren davonzutragen. Ist das nicht phänomenal???? Ich bin mir sicher, daß ich diesen Wettkampf hauptsächlich im Kopf gewonnen habe. Martina hat einen großen Anteil daran. Sie sagte mir kürzlich auf der Vogesentour auf den letzten 50 km: Mensch Regine, Du musst Dir mehr zutrauen! Vertrau Dir, Du hast die Kraft!

Und genau das ist es. Wenn Du eine Sache wirklich willst, dann hast Du auch die Kraft!